Spätestens im Dezember eines jeden Jahres stellen sich jedem ernsthaften Sammler von Musikalien die großen Fragen: Was hat das Jahr so mit sich gebracht? Und wie bewerte ich das überhaupt?
Das Jahresende ist immer die ideale Gelegenheit, dass Jahr nochmal vor seinem inneren Auge zu vergegenwärtigen und reflektieren. Als Mensch, der einen großen Teil seiner Freizeit mit dem Konsum, Genuss und Sammlung von Musik verbringt, möchte ich diesen Teil bei der Betrachtung nicht außen vorlassen. Damit bin ich nicht allein. Ob nun Streamingplattformen, analoge oder digitale Magazine, Blogs, Whatever, das eigene oder fremde Hörverhalten wird versucht qualitativ (manchmal auch quantitativ) zu bewerten. Dabei sind Top X Listen mit den besten neuen Veröffentlichungen des Jahres für viele das Mittel der Wahl. Wer fancy ist, verwehrt sich eines ordnenden Kriteriums.
Und so sehr ich auch in die Reflektion gehen will, werten will, so schwierig finde ich es das richtige Maß zu finden. In der Regel am naheliegendsten für mich ist es, danach zu gehen, was ich am meisten gehört habe. Da ich trotz meiner Liebe zum schwarzen Gold einen Großteil der Musik digital konsumiere ist es kein Problem an die entsprechenden Kennzahlen zu kommen. Last.fm ist da seit 20 Jahren (ich bin etwas überrascht, aber auf den Tag genau seit dem 3.1.2006) der zuverlässige Begleiter an meiner Seite.
Aber eine rein quantitative Beurteilung geht natürlich auch nicht. Dann würden all die großartigen Alben, die nicht nur konsumiert, sondern auch genossen werden wollen, nicht berücksichtigt werden. Das neue Teitanblood Album etwa. Absolut großartig, aber auch kein easy Listening bei der Arbeit, wo ich auch viel Musik höre. Das macht aber auch die leichter zugänglichen Alben nicht schlechter.
Wie verhält es sich mit Innovation? Kann ich ernsthaft ein Album, dass nach Darkthrone 1994 klingt, zu meinem Jahreshighlight wählen? Andererseits: Wenn Darkthrone 1994 das Maß der Dinge ist, warum etwas anderes wählen? Innovation ist für mich ein sehr fragliches Bewertungskriterium. Innovativ sein, in dem Sinne, Dinge anders anzugehen, zu denken und machen, finde ich höchst ehrbar und wichtig, macht das Ding an sich aber halt auch nicht unbedingt besser.
Ihr seht oder wisst bereits aus eigener Erfahrung, es ist nicht einfach dieses Bewerten. Letztlich komme ich aber auch immer wieder auf die Basis für jedes Gespräch über Musik zurück: Musikgeschmack ist subjektiv. Eine Diskussion über besser und schlechter ist lustig, aber kann auch nicht gewonnen werden. Eine Diskussion über Musik hat in erster Linie das Ziel die Liebe zu einem Genre/Band/Album/Song weiterzugeben und andere ebenfalls dafür zu begeistern.
Wenn ich bei meiner Bewertung also eh im Bereich des subjektiven Empfindens unterwegs bin, dann kann ich auch jeglichen Anschein von Objektivität hinter mir lassen. Somit folgen an dieser Stelle von mir für euch ein paar Musikempfehlungen von Alben, die mich letztes Jahr auf die eine oder andere Weise nicht losgelassen haben. Manche davon waren mir unverständlich (ja genau du Qrixkuor), andere einladend und zugänglich (Hallo Kerala Dust!). Macht euch gerne ein eigenes Bild.
Meine Lieblingsalben 2025 in alphabetischer Reihenfolge:
Castle Rat – The Bestiary
Century – Sign of the Storm
Dead Meadow – Voyager to Voyager
Drawn and Quartered – Lord of two Horns
Grave Infestation – Carnage Gathers
Kerala Dust – An Echo of Love
Mausoleum Gate – Space, Rituals and Magick
Mortual – Altar of Brutality
No Future – No Future
Qrixkuor – The Womb of the World
Sounds of New Soma – The Story of Sam Buckett
Teitanblood – From the Visceral Abyss