Ein Album – zwei Meinungen: Dawn – Slaughtersun (Crown Of The Triarchy)

Sich allein Gedanken zu Musik machen ist das eine, aber sich drüber austauschen ist auch was feines. Deswegen: Ein Album – zwei Meinungen. Einer schlägt ein Album vor und beide geben ihren Senf dazu. Diesmal mit einem Vorschlag von Barry: Dawn – Slaughtersun (Crown Of The Triarchy)

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Manchmal dauert es halt einfach länger. So auch unsere neueste Schlacht um ein Album mit zwei Meinungen. Die Wahl hat dieses Mal wieder Barry und er entscheidet sich für Slaughtersun (Crown Of The Triarchy) von Dawn.

Bevor es ans Eingemachte geht, kann ich nur sagen: Danke Barry, gute Wahl! Seit Jahren empfiehlt er mir regelmäßig dieses Album und trotzdem hab ich bisher nur mal kurz reingehört. Nun ist er also gekommen, der Moment, um das zu ändern. Die Erwartungen sind auf alle Fälle hoch! Schwedischer, melodischer 90er Jahre Black/Death Metal, Dissection, Sacramentum, ich hab Bock!

Und tatsächlich wird direkt von Anfang an klar: Das wird gut! The Knell and the World macht keine Gefangenen. Getragen von einem zentralen Riff, das in seiner Mischung aus Epik und Melancholie auch nur aus Schweden kommen kann. Falcula knüpft direkt an den Opener an, nimmt sich aber im Refrain in Sachen Tempo zurück, was natürlich ein paar Punkte auf das Epikkonto einzahlt.

Mit To achieve the ancestral powers folgt dann ein kurzes Instrumental, dass mir leichte medieval vibes gibt. Die folgenden Songs liefern dann auf hohem Niveau erstmal mehr vom Gleichen. Epische Riffs, majestätisches Gekeife geformt zu Songs so kalt, lang und düster wie der Winter im Polarkreis.

Stalkers Blessing rüttelt das bewährte Muster dann nochmal auf, beginnt doomig und verbleibt lange Zeit auch eher im mid-tempo, um sich zum Schluss in die Raserei zu steigern. Richtig gut! Da würde ich mir auf alle Fälle mehr von wünschen! Malediction Murder feuert zum Schluss nochmal das große Feuerwerk ab. Wer hier nicht die Mähne kreisen lässt und die Faust ins Antlitz Gottes hämmert, dem kann halt auch nicht mehr geholfen werden.

Einziger Kritikpunkt an Slaughtersun meinerseits ist die Albumlänge. Es ist nicht so, dass hier Füllmaterial zu finden wäre, die Songs an sich könnten nur etwas straffer sein. So fühlen sich viele Songs nach 2/3 der Laufzeit oftmals auserzählt an und setzen viel auf Wiederholung. Ist völlig ok. Auch das ist ein wesentliches Stilmittel im Black Metal. Alles in allem kann ich Slaughtersun jedem, der auf melodischen Black Metal und schwedischen Black Metal im speziellen steht, nur ans Herz legen. Riffs, Vocals, geil!

/Kepheus

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Wenn man heute so an die 90er zurück denkt, kommt’s einem wie ein wildes Jahrzehnt vor. Deutschland feierte die Wiedervereinigung, Techno ging richtig durch die Decke und die Loveparade in Berlin stand wie nichts sonst auf der Welt für diese Musik, überall gab es bunte Krawatten in den Büros zu sehen, das Tamagotchi eroberte die Schulhöfe und auch für den Metal war das Jahrzehnt bis heute prägend. Nicht nur wurde der Death Metal groß, mit der zweiten Welle entstanden im Black Metal viele Bands, die bis heute Kultstatus inne haben (und in deren Fahrwasser zweifelsohne auch jede Menge ziemlich große Scheiße abging).

Neben den rohen Sachen vom Anfang des Jahrzehnts kam ab Mitte der 90er mehr Melodie in den Black Metal, was uns dann Klassikeralben wie Storm Of The Lights Bane, Nemesis Divina, In The Nightside Eclipse oder auch Far Away From The Sun bescherte.

Leider fehlt in diesen Aufzählungen oft das 1998er Release der Schweden von Dawn: Slaughtersun (Crown Of The Triarchy).

Auch wenn ich das Album jetzt gute zwei Jahrzehnte kenne, hab ich es für diesen Text nochmal intensiv gehört. Und was soll ich sagen? Ich mag es noch genau wie am Anfang. Der Mix aus Groove, dann wieder hohe Geschwindigkeit, ausufernde Spiellängen zusammen mit den typischen 90er Jahre Melodieläufen ergibt ein rundes Gesamtwerk. Das Riff in etwa der Mitte des Openers The Knell And The World haut mich nach wie vor um. Das midtempolastige Ride The Wings Of Pestilence löst immer noch das gleiche Kopfwippen aus wie damals und das großartige Malediction Murder bringt für mich nochmal alles auf den Tisch, was das Album ausmacht. Abgesehen von den Eindrücken, die einzelne Lieder hinterlassen, fühlt sich die ganze Scheibe an sich sehr tight an. Die Riffs sind da schnörkeliger wo (melodiöse) Passagen den Raum dafür geben, wie beispielsweise bei The Aphelion Deserts. Dann wiederum geht’s grade voran, wo Schnörkel, wie bspw. in Falcula, zu viel wären. Aufgenommen wurde das Ganze damals in den Abyss Studios bei Peter Tägtgren. Ich erinnere mich noch, dass es in den frühen 2000er Jahren durchaus Diskussionen in der Metalszene gab, dass Alben aus dem Studion alle gleich klängen. Egal ob das jetzt stimmt oder nicht, war es hier die absolut richtige Wahl. Der Sound ist wirklich gut, ohne glatt zu sein und auch 28 Jahre nach Release knallt’s noch. Zugegeben, da wird das Remaster von 2014 vermutlich seinen Teil zu beitragen, wobei ohne eine gute Basis hilft vermutlich auch ein Remaster nichts.

Ich stehe jedenfalls nach wie vor auf Slaughtersun und bin froh es mal wieder sehr intensiv gehört zu haben. Tolles Album!

/Barry

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